(1663) 9, 20 - 35

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1663

Wäre ich gerecht, so müsste mich doch mein Mund verdammen; wäre ich unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen. Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben; ich verachte mein Leben. Es ist eins, darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den Gottlosen. Wenn seine Geißel plötzlich tötet, so spottet er über die Verzweiflung der Unschuldigen. Er hat die Erde unter gottlose Hände gegeben, und das Antlitz ihrer Richter verhüllt er. Wenn nicht er, wer anders sollte es tun? Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer; sie sind dahingeflohen und haben nichts Gutes erlebt. Sie sind dahingefahren wie schnelle Schiffe, wie ein Adler herabstößt auf die Beute. Wenn ich denke: Ich will meine Klage vergessen und mein Angesicht ändern und heiter bleiben, so fürchte ich doch wieder alle meine Schmerzen, weil ich weiß, dass du mich nicht unschuldig sprechen wirst. Ich soll ja doch schuldig sein! Warum mühe ich mich denn so vergeblich? Wenn ich mich auch mit Schneewasser wüsche und reinigte meine Hände mit Lauge, so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, dass sich meine Kleider vor mir ekeln. Denn er ist nicht ein Mensch wie ich, dem ich antworten könnte, dass wir miteinander vor Gericht gingen. Dass es doch zwischen uns einen Schiedsmann gäbe, der seine Hand auf uns beide legte! Dass er seine Rute von mir nehme und mich nicht mehr ängstige! So wollte ich reden und mich nicht vor ihm fürchten, denn ich bin mir keiner Schuld bewusst.