(1887) 102, 1 - 16

Code: 
1887

Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet. Herr, höre mein Gebetund lass mein Schreien zu dir kommen! Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, /neige deine Ohren zu mir;wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald! Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch,und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer. Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras,dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Hautvor Heulen und Seufzen. Ich bin wie die Eule in der Einöde,wie das Käuzchen in den Trümmern. Ich wache und klagewie ein einsamer Vogel auf dem Dache. Täglich schmähen mich meine Feinde,und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen. Denn ich esse Asche wie Brotund mische meinen Trank mit Tränen vor deinem Drohen und Zorn,weil du mich hochgehoben und zu Boden geworfen hast. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten,und ich verdorre wie Gras. Du aber, Herr, bleibst ewiglichund dein Name für und für. Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen – denn deine Knechte wollten gerne, dass es gebaut würde,und es jammert sie, dass es in Trümmern liegt –, dass die Heiden den Namen des Herrn fürchtenund alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit.