(2079) 5, 1 - 6

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2079

Ich bin gekommen, meine Schwester, liebe Braut, in meinen Garten.Ich habe meine Myrrhe samt meinen Gewürzen gepflückt;ich habe meine Wabe samt meinem Honig gegessen;ich habe meinen Wein samt meiner Milch getrunken.Esst, meine Freunde, und trinktund werdet trunken von Liebe! Ich schlief, aber mein Herz war wach.Da ist die Stimme meines Freundes, der anklopft:»Tu mir auf, liebe Freundin, meine Schwester,meine Taube, meine Reine!Denn mein Haupt ist voll Tauund meine Locken voll Nachttropfen.« »Ich habe mein Kleid ausgezogen– wie soll ich es wieder anziehen?Ich habe meine Füße gewaschen– wie soll ich sie wieder schmutzig machen?« Mein Freund steckte seine Hand durchs Riegelloch,und mein Innerstes wallte ihm entgegen. Da stand ich auf,dass ich meinem Freunde auftäte;meine Hände troffen von Myrrheund meine Finger von fließender Myrrhe am Griff des Riegels. Aber als ich meinem Freund aufgetan hatte,war er weg und fortgegangen.Meine Seele war außer sich,dass er sich abgewandt hatte.Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht;ich rief, aber er antwortete mir nicht.