Seenotizen

Mitte August 2020 ist das mit kirchlichen Spenden finanzierte Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" zu seiner ersten Mission ausgelaufen. Die Journalistin und Pfarrerin Constanze Broelemann ist für evangelisch.de und reformiert.info an Bord und berichtet vom Schiff in ihrem Blog "Seenotizen".

"Sea-Watch 4" assistiert Küstenwache bei einer Seenotrettung

Verzweiflung auf Rettungsschiff "Open Arms"

© epd-bild/Thomas Lohnes

Das Rettungsschiff "Open Arms" am 17.09.2020 vor Palermo (Italien). Auf dem Schiff mit rund 280 Flüchtlingen an Bord gerät die Lage außer Kontrolle: Mehrere Dutzend Menschen springen ins Wasser, um die sizilianische Küste zu erreichen.

"Sea-Watch 4" assistiert Küstenwache bei einer Seenotrettung
Heute am frühen Morgen setzte das spanische Rettungsschiff "Open Arms" einen Notruf in der Nähe der italienischen Küste ab. Die Situation mit zu diesem Zeitpunkt 275 Menschen an Bord war ausser Kontrolle geraten. Die Crew der "Sea-Watch 4" bot umgehend Hilfe an.

Gegen 10 Uhr teilte die Crew der "Open Arms" mit, dass sie in der Nähe der "Sea-Watch 4", also zwei Seemeilen vor Palermo, vor Anker gehen würde. Die "Open Arms" hatte in Seenot geratene Menschen in der vergangenen Woche aus dem Mittelmeer gerettet, aber bislang keine Erlaubnis zum Einlaufen in einen europäischen Hafen erhalten. Die Situation an Bord war außer Kontrolle geraten. Das spanische Rettungsschiff war zu dem Zeitpunkt in Sichtweite der "Sea-Watch 4". Die Seenotretter unter deutscher Flagge wurden gebeten, ihre Schnellboote in Bereitschaft zu versetzen, um im Notfall Hilfe leisten zu können.

Gegen 10.30 Uhr konnte die Crew der "Sea-Watch 4" per Fernglas sehen, dass Menschen von Bord des spanischen Rettungsschiffes sprangen. Zunächst zwanzig Menschen und in der Folge insgesamt 74 Menschen, die vom Achterdeck des spanischen Rettungsschiffes ins Meer sprangen.  In Absprache mit den italienischen Behörden startete die Crew die Schnellboote, um Menschenleben zu retten. "Die italienische Küstenwache hat uns die Erlaubnis gegeben, alle Menschen in Seenot zu retten", sagt Kapitän Stevan Nokovic.

Drei Boote - die Schnellboote "Tango" und "Bravo" sowie das POB (person over bord) - wurden von der "Sea-Watch 4" zur Unterstützung im Seenotfall vor Palermo aufgeboten. Die italienische Küstenwache kam selbst mit Schnellbooten und einem Helikopter. Zeitweise waren 12 Boote in die Rettung involviert. Unter Koordination der italienischen Küstenwache, halfen die Crews der Schnellboote der "Sea-Watch 4", Menschen im Wasser ausfindig zu machen. Die Küstenwache und die Schnellboote der "Open Arms" retteten die Menschen aus dem Wasser. Derzeit ist im Rotationsrhythmus ein Schnellboot der "Sea-Watch 4" in der Nähe der "Open Arms", um die Situation zu beobachten. Nach und nach bringen die Italiener die Schiffbrüchigen an Land. Am Abend sollen alle  restlichen 200 Migrant*innen von der "Open Arms" auf ein italienisches Quarantäneschiff gebracht werden. Bereits zuvor hatte das spanische Rettungschiff um das Einlaufen in einen maltesischen Hafen gebeten und wurde zweimal zurück gewiesen. Dann machte sich die "Open Arms" in Richtung Sizilien auf.

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Auslaufen der "Sea-Watch 4"
Das von der Evangelischen Kirche initiierte Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" startete im Sommer seine Mission im Mittelmeer. Für evangelisch.de schrieb die Journalistin Constanze Broelemann in ihrem Blog "Seenotizen": "Wir sind auf See. Endlich. Gut vorbereitet, nimmt die "Sea-Watch 4" Kurs auf die libysche Küste. Ich nutze die Zeit vor den ersten Rettungsmanövern, um mit einigen meiner Crew-Mitglieder über ihre Motivation für die Mission zu sprechen."
Inspekteure der italienischen Küstenwache ("Guardia Costeria") haben eine "Porte State Control", eine Art technische Inspektion, auf der "Sea-Watch 4 durchgeführt.
Nach einer elfstündigen Inspektion des Rettungsschiffes fanden die italienischen Kontrolleure nach ihrer Ansicht 22 Mängel, die vor einem neuen Auslaufen der "Sea-Watch 4" behoben werden müssen. Die Festsetzung ist keine Überraschung für die Crew, schildert Constanze Broelemann aus Palermo. Die Behörden hätten schon in der Vergangenheit die Praxis der expliziten Fehlersuche gewählt, um Schiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGO) an die Kette zu legen.

 

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