Kirchen werden Synagogen
© Philipp Ottendörfer/JürgenVolkmannEin Neuanfang mit einem Haus der Hoffnung (Bielefeld)Wahrscheinlich lebten Juden bereits seit der Stadtgründung im 12. Jahrhundert in Bielefeld. Die ersten Quellen datieren jüdisches Leben auf die Mitte des 14. Jahrhunderts. Nun war Bielefeld - anders als die berühmten Gemeinden in Mainz oder Worms - nie Zentrum der jüdischen Geistesgeschichte. Und doch gelangte das Bielefelder Judentum zu tragischer Bekanntheit: Eine der wenigen Filmaufnahmen, die es von den Novemberpogromen gibt, zeigt die brennende Bielefelder Synagoge, ein Bauwerk für 800 Menschen. Die heutige Synagoge ist kleiner. Die ehemalige Paul-Gerhardt-Kirche wurde 2008 zur Synagoge Beit Tikwa, "Haus der Hoffnung". Worte, die sicherlich auch Paul Gerhardt, dem bekanntesten Texter evangelischer Kirchenmusik und Namensgeber der ehemaligen Kirche, gefallen hätten.
Jüdisches Leben in Deutschland
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Kirchen werden Synagogen
1938 brannten die Synagogen. Pogrome auf jüdische Gotteshäuser fanden im gesamten deutschen Reich statt - in den Metropolen und auf den Dörfern. Der randalierende Mob zog durch die Straßen, tausende Juden wurden misshandelt, verhaftet oder getötet. Spätestens seit diesem 9. November 1938 konnte jeder wissen, was passiert, wenn rassistische Propaganda Früchte trägt. Dann die Zäsur. Jüdisches Leben in Deutschland nach '45 war kaum vorstellbar. Und doch leben heute wieder rund 200.000 Menschen jüdischer Abstammung in Deutschland. Alte Synagogen wurden restauriert oder an Orten neu errichtet, wo sie einst standen, und manchmal wurde auch eine Kirche zur Synagoge.