Weltgebetstag: Das Schweigen brechen

Das Schweigen brechen - Sexueller Missbrauch auf den Bahamas

Foto: Getty Images/iStockphoto/poco_bw

Beim Thema Sexualität sind die Jugendlichen auf sich gestellt.

Weltgebetstag: Das Schweigen brechen
Sexualität ist noch immer ein Tabu-Thema auf den Bahamas. Das Weltgebetstags-Land in der Karibik hat eine der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit, kaum irgendwo anders sind Teenager so früh sexuell aktiv. Jede vierte Mutter ist unter 18. Das Bahamas Crisis Centre versucht, die jungen Menschen aufzuklären.

Objektive Information und vertrauensvolle Beziehungen sind die beste Prävention gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - da ist sich Sandra Dean-Patterson, die Direktorin des Bahamas Crisis Centre (BCC, Bahamaisches Zentrum für Krisenintervention) sicher. Das Frauenrechtszentrum mit den Schwerpunkten Bekämpfung von sexueller und häuslicher Gewalt besteht seit 1982. Stand anfangs die Opferhilfe im Vordergrund, so nehmen inzwischen Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit einen ebenso breiten Raum ein. Seit 2013 ist BCC die gemeinsame Partnerorganisation der Weltgebetstagskomitees aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit zweierlei Maß

"Wenn wir Erfolg haben wollen in unserem Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt, dann müssen wir uns mit ihren kulturellen Wurzeln auseinandersetzen", sagt die Direktorin. "Dazu gehört, dass wir über das Tabu-Thema Sexualität zureden beginnen." Vor Teenagersexualität stecken die Eltern gerne den Kopf in den Sand oder "warnen" ihre Kinder davor.

Dabei wird durchaus mit zweierlei Maß gemessen: "When ah leggo mih cock yuh betta tie up your hen" ("Wenn mein Hähnchen unterwegs ist, dann sperr' dein Küken besser weg") – eine beliebte Redewendung auf den Bahamas, um Mädchen vor sexuellen Übergriffen zu warnen. Kinder und Jugendliche sind ziemlich auf sich allein gestellt. Sie erhalten weder angemessene Informationen noch werden sie in ihren Familien darin unterstützt, ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität zu entwickeln. Teenager-Schwangerschaften und ein erschreckendes Ausmaß an sexueller Gewalt sind nur die beiden offensichtlichsten Konsequenzen der unheiligen Allianz aus Ignoranz und gesellschaftlicher Konvention.

Prominente als Vorbilder

Genau dort setzt das BCC an: Mit dem Slogan "Lasst uns reden" wendet sich das Zentrum in einer breit angelegten Aufklärungskampagne an Jugendliche und junge Erwachsene beiderlei Geschlechts. Über Spots in Zeitungen, Radio, TV und den sozialen Netzwerken lernen sie, sexuelle Gewalt als solche zu identifizieren und sie als Unrecht zu erkennen. Austauschforen in den Stadtvierteln ergänzen das Programm.
 
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Dort lernen die Jugendlichen, über ihre eigenen Erfahrungen mit sexueller Gewalt in intimen Beziehungen zu sprechen. Das Schweigen zu brechen, ist nur die eine Seite, eine positive Sexualität zu entwickeln, die andere. "Wir wollen, dass Jugendliche über die Auswirkungen von sexueller Gewalt auf ihr persönliches Leben und die Gesellschaft insgesamt nachdenken", betont Dean-Patterson. "Jugendliche brauchen Vorbilder, die ihnen zeigen, dass der Verzicht auf Gewalt und ein respektvoller Umgang miteinander ihnen helfen, bessere und vertrauensvollere Beziehungen aufzubauen."
 
Prominente Unterstützung hat das BCC bereits gewonnen: Maria Govan und Khareem Mortimore, zwei international bekannte bahamaische Filmschaffende, werden die Jugendaustauschforen moderieren. Das wird die Jugendlichen überzeugen, dass es nicht länger ein Tabu ist, über "diese Dinge" zu sprechen!

Jedes Jahr am ersten Freitag im März beten Christinnen unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam. In mehr als 170 Ländern wird dann der Weltgebetstag der Frauen gefeiert, in diesem Jahr am 6. März. Gottesdienst und Engagement gehört für die Basisbewegung christlicher Frauen untrennbar zusammen. Dabei steht jedes Mal ein anderes Land im Mittelpunkt. 2015 sind es die Bahamas - unter dem Motto "Begreift ihr meine Liebe?". Die miteinander vernetzten Gottesdienste und Andachten sollen das Verständnis für andere Kulturen und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

Christinnen des Landes, das im Mittelpunkt ist, stellen Lieder und Gebete zusammen. In Deutschland beteiligen sich jedes Jahr bis zu einer Million
Menschen am Weltgebetstag.

Die Idee zu der inzwischen weltgrößten ökumenischen Bewegung von Frauen stammt aus den USA, wo sich Christinnen 1887 erstmals zu einem Weltgebetstag versammelten. 1927 wurde der erste internationale Gebetstag gefeiert. Seit 1949 wird dieser Tag auch in Deutschland begangen.