Ex-EKD-Ratschef Kock: Burka-Debatte schafft erst die Probleme

Vollverschleierte Frauen

Foto: dpa/Boris Roessler

Ex-EKD-Ratschef Kock: Burka-Debatte schafft erst die Probleme
Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock kritisiert die Debatte über Verschleierungen islamischer Frauen in Deutschland.

"Die Frage von Burka und Burkini hat nichts mit realen Integrationsproblemen zu tun, im Gegenteil", sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Durch die Art und Weise, wie bei uns darüber diskutiert wird, schaffen wir erst die Probleme."

"Wenn diese Kleidung nicht ständig durch die öffentliche Aufmerksamkeit zu einer Bekenntnisfrage gemacht würde, hätten sich viele muslimische Mädchen längst davon verabschiedet, sich zu verschleiern oder Kopftücher zu tragen", vermutet der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie wollten genauso modern sein wie andere Teenager und junge Frauen. "Hier sollte man nicht mit Verboten kommen", betonte der ehemalige Präses der rheinischen Kirche, der am Mittwoch 80 Jahre alt wird.

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In Dänemark gilt in Zukunft ein Verhüllungsverbot in der Öffentlichkeit, das unter anderem das Tragen von Burkas und Nikabs unter Strafe stellt.
Burka
Gesicht zeigen - das ist für Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht (CDU) wichtig für eine offene Gesellschaft. Deswegen soll es Zeitungsberichten zufolge bald ein Burka-Verbot an Schulen und in Wahlkabinen geben. In anderen Bereichen wolle man auf Muslime zugehen.

Die Innenminister der Unionsparteien hatten in ihrer im August vorgestellten "Berliner Erklärung" ein Verbot der Vollverschleierung in bestimmten Bereichen gefordert. Einschränkungen sollen demnach etwa im öffentlichen Dienst, vor Gericht und im Verkehr sowie in Schulen und Kitas gelten. Die CSU will das Tragen von Burka und Niqab in der Öffentlichkeit verbieten, "wo immer dies rechtlich möglich ist".