Bischof Hein ruft Religionen zu "Praxis der Barmherzigkeit" auf

Martin  Hein

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Bischof Hein ruft Religionen zu "Praxis der Barmherzigkeit" auf
Eine "gemeinsame Praxis der Barmherzigkeit" der drei Religionen Christentum, Islam und Judentum hat der kurhessische Bischof Martin Hein angeregt.

Mit solch einer Praxis könnten die dem Leben zugewandten Kräfte des Islams gestärkt werden, sagte er am Montag zum Auftakt der Synodentagung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in Hofgeismar. Hein sprach zum Thema "Barmherziger Gott".

Hein wies auf die Weite und Vielfalt der Koranauslegung im Islam hin. Bis zum Aufkommen des modernen Fundamentalismus vor rund 200 Jahren habe es hier einen "schwebenden Wahrheitsbegriff" gegeben. Der Wesenszug des islamischen Fundamentalismus, diese Vielfalt zu ersticken, werde auch in der orientalischen Welt mit großer Besorgnis wahrgenommen. Es komme daher darauf an, diese Vielfalt im Islam zu stärken.

Barmherzigkeit sei einer der wesentlichen Begriffe, der das Handeln Gottes im Christentum, Judentum und im Islam beschreibe, sagte der Bischof. Hier gebe es viele überraschende Übereinstimmungen. "Barmherzigkeit ist der Maßstab, an dem sich eine Religion messen lassen muss", sagte Hein. So wurzele die jüdische Sozialarbeit etwa in der jahrtausendealten Sozialethik des Judentums.

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Auch die Frage nach der Möglichkeit eines gemeinsamen Gebets der Religionen werde immer stärker gestellt, sagte Hein weiter. Hier sehe er drei Möglichkeiten, die unter das Motto "spirituelle Gastfreundschaft" gestellt werden könnten. Die "liturgische Gastfreundschaft" beinhalte lediglich den Besuch von Gottesdiensten der jeweils anderen Religion. Eine weitergehende "multireligiöse Feier" wie etwa das Assisi-Gebet, das Papst Paul II. 1986 einführte, umfasse Gebete der unterschiedlichen Teilnehmer, die nacheinander gesprochen werden.

Die dritte Variante, das "interreligiöse" Gebet, in dem gemeinsam zu Gott gebetet werde, bezeichnete Hein als "Grenzfall". Ein solches Gebet habe sich bisher meist nur in Katastrophenfällen ergeben, wo das Bedürfnis nach Gemeinschaft andere Fragen in den Hintergrund dränge. Die Kammer für Mission und Ökumene der EKKW rate von solch einem Gebet ab, weil die Teilnehmenden hier Gefahr liefen, ihre religiöse Identität aufzugeben. "Das interreligiöse Gebet markiert eine Grenze, aber es mag geboten sein, sie in Ausnahmefällen zu überschreiten", sagte der Bischof.