Debatte über Kulturhauptstadt-Bewerbung von Chemnitz
Der Deutsche Kulturrat hat Chemnitz ungeachtet der aktuellen Negativschlagzeilen zum Festhalten an seiner Bewerbung als "Kulturhauptstadt Europas" ermuntert.
Geschäftsführer Olaf Zimmermann sagte am Freitagabend im Deutschlandfunk Kultur, vielleicht seien die Chancen für die geplante Bewerbung sogar gestiegen, "weil wir uns jetzt alle doch ein wenig zusammenraufen müssen". Die Bewerbung sei auch eine Chance für die Kultur in einer Stadt, die sich in so einer schwierigen Situation befinde.
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Vielleicht sei der Weg zur Hauptstadtbewerbung eine ganz große Chance, den Aufbruch zu initiieren, sagte Zimmermann. Dies sei aber nicht nur eine lokale Frage. Der Kulturrat-Geschäftsführer zeigte sich zuversichtlich, dass da "ganz viele dort mitmachen werden". Auch die Politik werde ihren Anteil beitragen. Chemnitz möchte neben etlichen anderen deutschen Städten im Jahre 2025 "Kulturhauptstadt Europas" werden. Das Projekt steht unter dem Motto "Aufbrüche".
In Chemnitz war am vergangenen Wochenende am Rande des Stadtfestes ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Zwei mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Iraker und ein 23-jähriger Syrer, sitzen in Untersuchungshaft. Der Vorfall löste zum Teil gewaltsame Demonstrationen aus dem rechten Spektrum aus. Am Sonntag kam es zu Angriffen auf ausländisch aussehende Menschen. Am Montag mobilisierten zum Teil gewaltbereite Rechte rund 6.000 Demonstranten. Die etwa 600 Polizisten im Einsatz hatten Mühe, sie von den rund 1.000 Gegendemonstranten zu trennen. Es gab 20 Verletzte.