Heimbucher: Friedliches Europa braucht militärische Stärke

Heimbucher: Friedliches Europa braucht militärische Stärke
Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat davor gewarnt, Europa könne erpressbar oder zum Spielball der Mächtigen werden. Um dies zu vermeiden, sei eine militärische Sicherheit nötig, "zu der ich derzeit keine Alternative sehe", sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Niemand dürfe die Augen davor verschließen, dass auf dem europäischen Kontinent Krieg geführt werde. "Die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine sind Realität."

In allen Konflikten dieser Welt müsse es aber einen unbedingten Vorrang des Zivilen vor militärischen Aktionen geben, betonte Heimbucher. Es sei eine Aufgabe der Kirchen, dafür zu sorgen, dass keine "Politik im Affekt" betrieben werde. "Vor jedem militärischen Gedanken muss gründlich über eine friedliche Lösung nachgedacht werden." Dieser Auftrag werde in der biblischen Losung für das Jahr 2019 aus Psalm 34 deutlich: "Suche Frieden und jage ihm nach." Militärische Gewalt dürfe nur das allerletzte Mittel sein, um Menschenleben in konkreten Situationen zu retten.

Um Politik friedlich zu gestalten, sei es unabdingbar, populistische Scharfmacher zu entlarven. Dazu sei ein demokratisches Miteinander nötig, das bereits früh eingeübt werden müsse - zum Beispiel in der Schule und dem Konfirmandenunterricht. "Als Kirchenvertreter müssen wir mit den Menschen reden, die den Populisten zuhören und von ihnen beeindruckt sind", betonte der Theologe.

Mehr zu Europa
EKD-Logo
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sorgt sich vor einem Rechtsruck in Europa. Auch die künftige Asyl- und Migrationspolitik sei von entscheidender Bedeutung.
Außenansicht des Europäischen Parlament in Straßburg
Die Kirchen müssten stärker aufzeigen, was sie für Menschen tun könnten, die sich im "Diesseitsstress" aufrieben, sagte Wüst am Donnerst im Europäischen Parlament in Straßburg bei einer Diskussion zum Thema "Braucht Europa die Kirchen?".


Die Kirchengemeinden tragen Heimbucher zufolge eine große Verantwortung für das demokratische Miteinander in der Gesellschaft. Er appellierte dabei besonders an die Pastorinnen und Pastoren auf dem Land. Sie sollten Kontrahenten durchaus auch bei strittigen Themen zum Beispiel in der Kommunalpolitik zu öffentlichen Debatten in die Gemeindehäuser einladen. Die reformierte Kirche habe dies etwa beim Landeserntedankfest 2016 im ostfriesischen Hinte getan: Mitten in der Milchpreis-Krise habe die Kirche den Agrarminister, Molkereivertreter sowie konventionelle Landwirte und Öko-Milchbauern zu einer vielbeachteten Debatte im Gemeindehaus empfangen.