Programm für das Wormser Lutherjahr 2021 vorgestellt

Karl V. und Martin Luther auf Kirchenfenster in Worms

©epd-bild/akg-images/Kristina Schaefer

Luthers Besuch auf dem Wormser Reichstag im Jahr 1521 und seine Weigerung vor Kaiser Karl V., die eigenen Lehren zu widerrufen, gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte.

Programm für das Wormser Lutherjahr 2021 vorgestellt
Zum 500. Jahrestag des Wormser Reichstags von 1521 bereiten die Stadt Worms und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau trotz Coronavirus-Pandemie ein umfangreiches Jubiläumsprogramm vor.

Im Zeitraum von April bis Oktober seien über 80 Einzelveranstaltungen geplant, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit. Auch bei den Nibelungen-Festspielen soll 2021 ausnahmsweise keine Neuinszenierung der Nibelungen-Sage aufgeführt werden, sondern ein Stück über den Reformator Martin Luther (1483-1546). Luthers Besuch auf dem Wormser Reichstag und seine Weigerung vor Kaiser Karl V., die eigenen Lehren zu widerrufen, gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte.

Zum Auftakt der Veranstaltungen soll es in der Nacht vom 17. auf den 18. April auf dem Wormser Marktplatz eine Multimediashow geben, die in ähnlicher Form bereits 2018 auf dem Rheinland-Pfalz-Tag zu erleben war und die live in möglichst viele evangelische Gemeinden übertragen werden soll. Im städtischen Museum soll vom 17. April bis zum 31. Oktober eine Landesausstellung unter dem Titel "Hier stehe ich. Gewissen und Protest - 1521 bis 2021" zu sehen sein.

Neben Luther geht es darin auch um andere Persönlichkeiten, die "für ihre Ideale in Wort und Tat mutig und entschlossen eintraten" - etwa um den Mediziner, Schriftsteller und Revolutionär Georg Büchner oder die Studentin und NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Das Veranstaltungsprogramm umfasst außerdem zahlreiche Konzerte, darunter mit dem Oratorium "Worms 1521" von Hartwig Lehr und einem als Gemeinschaftsprojekt mit der Wormser Parma entstandenen Stück auch zwei Uraufführungen.

Neben weiteren kulturellen Veranstaltungen, Vorträgen und Konferenzen soll es auch regelmäßige kirchliche Angebote geben, darunter am 18. April einen Festgottesdienst mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

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Der Reichstag in Worms gilt als zentrales Ereignis in der Geschichte der Reformation. Kaiser Karl V. hatte den Kirchenreformator Martin Luther zu dem Treffen der deutschen Fürsten einbestellt, weil er dort im April 1521 seine Lehren widerrufen sollte. Luther weigerte sich jedoch, die Kritik am Ablasshandel zurückzunehmen, weil er sich durch die Bibel in seinen Ansichten bestätigt sah. Später gelang es seinen Gegnern nicht mehr, die Ideen der Reformationsbewegung im Keim zu ersticken.

Im Frühjahr 1521 war Luther wegen seiner Thesen bereits von der Kirche exkommuniziert. Allerdings unterstützten mehrere deutsche Fürsten seine Ideen und verschafften ihm die Möglichkeit zu einer Verteidigungsrede vor dem Wormser Reichstag, der bereits Anfang des Jahres begonnen hatte und auf dem neben Luther eine Vielzahl weiterer Themen verhandelt wurden. Für die Reise war dem Reformator freies Geleit zugesagt worden. In der Stadt am Rhein hatte die Reformationsbewegung bereits zahlreiche Anhänger, so dass er bei seiner Ankunft von der Bevölkerung begeistert begrüßt wurde.

Nach der Weigerung, seine Ansichten zu widerrufen, konnte Luther nach insgesamt zehntägigem Aufenthalt Worms zunächst ungehindert verlassen. Kurze Zeit später erließ Kaiser Karl das Wormser Edikt, mit dem Luthers Schriften im gesamten Reich verboten wurden. Zugleich wurde der Theologieprofessor darin für vogelfrei erklärt. Der sächsische Kurfürst Friedrich III. "der Weise" ließ Luther auf dem Rückweg nach Wittenberg heimlich auf die Wartburg bei Eisenach in Sicherheit bringen, wo der Theologe das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.