Frauen leiden besonders unter Folgen des Klimawandels

Eine Frau trägt auf ihrem Kopf die Ernte nach Hause.

© epd-bild/Sebastian Backhaus

Eine Frau im Dorf Dioga, 60 Kilometer von Niamey (Niger) entfernt, trägt auf ihrem Kopf die Ernte nach Hause. Besonders Frauen leider unter der Folgen des Klimawandels.

Frauen leiden besonders unter Folgen des Klimawandels
Dürren, Zyklone, Überschwemmungen: Die Folgen des Klimawandels sind in vielen Ländern spürbar. Die Hauptlast tragen häufig Frauen.

Was der Klimawandel anrichtet, spürt Tina Musuya in ihrer Heimat bereits heute: "Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert", sagt die 48-jährige Uganderin. "Die Dürreperioden werden länger und immer mehr Feuchtgebiete verschwinden." Bauern beklagten sich über ausbleibenden Regen, gleichzeitig nähmen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Schlammlawinen vielerorts zu. Doch obwohl der Klimawandel alle Menschen in Uganda treffe, seien die Lasten ungleich verteilt. "Für Frauen ist es schlimmer", sagt Musuya.

Musuya ist Direktorin des Zentrums für häusliche Gewaltprävention in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Sie hat beobachtet, dass der Klimawandel vielerorts traditionelle Geschlechterrollen und Ungleichheiten verstärkt. Zum Beispiel beim Schulbesuch: Mädchen und Frauen seien in ländlichen Gebieten für das Wasserholen zuständig. Wenn Brunnen austrockneten, müssten sie weitere Wege zurücklegen. "Sie sind länger unterwegs und verpassen deshalb die Schule oder sind zu müde, um dem Unterricht zu folgen."

Schwerer, sauberes Wasser finden

Was Musuya in Uganda erlebt, gelte für viele Länder des globalen Südens, sagt Sabine Minninger, Klimareferentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt": Frauen seien stärker vom Klimawandel betroffen als Männer. Das hängt eng mit der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit zusammen. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO wenden Frauen im weltweiten Durchschnitt täglich etwa viereinhalb Stunden für Sorgearbeit wie Kinderbetreuung, Haushalt oder Altenpflege auf, Männer hingegen nur eineinhalb Stunden. 

"Frauen müssen mehr Zeit aufwenden, wenn es aufgrund des Klimawandels schwieriger wird, sauberes Wasser zu finden oder Nahrung für den eigenen Gebrauch anzubauen", sagt Sarah Louis Montgomery, Projektkoordinatorin der Organisation GenderCC - Women for Climate Justice. Wenn dann Mädchen deshalb nicht mehr die Schule besuchten, entstehe ein "gefährlicher Kreislauf", der bestehende Ungleichheiten verschärfe.

Wasserzapfstelle im Slum Malibagh in Dhaka, Bangladesch. Im Slum leben rund 5.000 Menschen in gemieteten Holzhütten. Die meisten von ihnen sind nach Überschwemmungen in ihren Heimatorten hierher geflohen. Wirbelstürme, Überschwemmungen, steigender Meeresspiegel – im bitterarmen Bangladesch zwingen Klimaphänomene und Umweltveränderungen Millionen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Die ohnehin häufig auftretenden Wetterextreme werden durch die Erderwärmung verstärkt.

Männer gewalttätiger nach schlechten Ernten

In Uganda befeuert der Klimawandel auch die häusliche Gewalt, wie Frauenrechtlerin Musuya bei der Arbeit für eine Studie für das UN-Entwicklungsprogramm UNDP beobachtet hat. Demnach greifen schlechte Ernten, der Verlust von Vieh und ein geringeres Einkommen bei Männern das Selbstbild als Familienversorger an. Manche wendeten sich deshalb dem Alkohol zu und würden gewalttätiger. In Australien nimmt häusliche Gewalt laut einer Studie der Weltnaturschutzunion IUCN während langer Dürreperioden ebenfalls zu.

Auch bei Zyklonen und anderen Extremwettereignissen kommen Geschlechterrollen zum Tragen: Im Asien-Pazifik-Raum etwa sterben den Vereinten Nationen zufolge bei Naturkatastrophen mehr Frauen als Männer. Frauen fühlten sich eher für den Schutz der Familie verantwortlich, sagt "Brot für die Welt"-Expertin Minninger. "Bevor sie sich selbst retten, sorgen sie oft dafür, dass die Kinder und das Hab und Gut in Sicherheit sind." Sie seien zudem schlechter in Warnsysteme und Katastrophenpläne eingebunden als Männer.

Das gilt auch für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel. "In vielen Ländern Südostasiens bleiben Frauen bei der Planung von Klimaanpassungsprojekten außen vor", kritisiert Titi Soentoro, Direktorin der indonesischen Umwelt- und Frauenrechtsorganisation Aksi.

Verhältnisse grundlegend ändern

Etwa in der indonesischen Hauptstadt Jakarta: Die Millionenmetropole soll künftig mit einem gigantischen Wall vor dem steigenden Meeresspiegel geschützt werden. Durch den Bau verlören Fischerinnen, die vom Fischfang und dem Anbau von Muscheln an der Küste lebten, ihr Einkommen, sagt Soentoro. Bei der Planung des Projekts habe das aber keine Rolle gespielt.

Auf den UN-Klimakonferenzen gibt es inzwischen Arbeitsgruppen und Programme, die sich den geschlechtsspezifischen Auswirkungen des Klimawandels widmen. "Das Thema ist mittlerweile auf der Agenda", sagt Sarah Louis Montgomery. "Gleichzeitig muss geschlechtergerechte Klimapolitik dringend auf allen Ebenen, also auch in der nationalen und kommunalen Politik, umgesetzt werden." Auch Minninger sagt: "Das Thema Geschlecht muss bei den Verhandlungen immer wieder eingebracht und eingefordert werden."

Musuya glaubt, dass sich die Geschlechterverhältnisse grundlegend ändern müssen. Die Gesellschaft in Uganda sei sehr patriarchalisch, sagt sie. "Viele Männer behandeln Frauen, als ob sie weniger Rechte hätten." Das bringe Frauen in eine Position, in der sie verletzbar seien. "Wir müssen Frauen stärken und für Geschlechtergerechtigkeit kämpfen", sagt Musuya. "Erst dann sind sie nicht mehr stärker vom Klimawandel betroffen als Männer."

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Bereits im März 1911 gingen rund eine Million Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straßen. Erste Forderung war das Frauenwahlrecht, das in Deutschland 1918 durchgesetzt wurde. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals an einer landesweiten Wahl teilnehmen, als eine verfassunggebende Nationalversammlung gewählt wurde. Die Frauen kämpften zudem für kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, niedrigere Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und legalen Schwangerschaftsabbruch.

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Nach 1945 entzweite der Kalte Krieg auch den Frauentag. Im Westen verlor er an Bedeutung, wurde dann vor allem von der Frauen- und Friedensbewegung ab Ende der 60er Jahre begangen. In der DDR entwickelte sich der 8. März vielfach zum "sozialistischen Muttertag", an dem Kinder der Mutter Blumen oder selbst gemalte Bilder schenkten. 1977 führten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag als offiziellen UN-Tag ein. Das Land Berlin führte 2019 den Frauentag als gesetzlichen Feiertag ein, als einziges deutsches Bundesland.