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Am Flughafen München stehen die Flaggen von Bayern, Deutschland, Europa und Israel bereit. Der Bundespräsident nimmt zusammen mit dem israelischen Präsidenten an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 50. Jahrestags des Olympia-Attentats teil.
Er bitte um Vergebung für den mangelnden Schutz der israelischen Athleten und für die mangelnde Aufklärung danach - "dafür, dass geschehen konnte, was geschehen ist", sagte er am Montag laut Redemanuskript beim zentralen Gedenkakt im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Unter den Gästen war auch der israelische Staatspräsident Izchak Herzog.
50 Jahre habe es bis zu einer Einigung über eine angemessene Entschädigung gedauert. Aber auch die jetzt gefundene Verständigung werde nicht alle Wunden heilen können, räumte Steinmeier ein. "Wir können nicht wiedergutmachen, was geschehen ist, auch nicht, was Sie an Abwehr, Ignoranz und Unrecht erfahren und erlitten haben", sagte er zu den Hinterbliebenen. "Das beschämt mich."
Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen. Die Befreiungsaktion auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck scheiterte. Am Ende starben elf Israelis, ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen. Die Hinterbliebenen aus Israel kämpften jahrzehntelang erfolglos um eine Entschädigung, eine Entschuldigung und um eine historische Aufarbeitung. Eine Einigung, unter anderem über 28 Millionen Euro Entschädigung, war erst vergangene Woche zustande gekommen.
Deutschland sei nicht vorbereitet gewesen auf einen solchen Anschlag, hätte es aber sein müssen. "Auch das gehört zur bitteren Wahrheit", sagte Steinmeier. Das Bekenntnis sei überfällig, dass die Geschichte des Attentats auch eine "Geschichte von Fehleinschätzungen und von furchtbaren, von tödlichen Fehlern, ja, eines Versagens war". Auch 50 Jahre später seien immer noch viel zu viele Fragen offen, sagte Steinmeier.
Es müssten Antworten gefunden werden, warum etwa die überlebenden Täter so schnell abgeschoben und nie juristisch belangt worden seien, warum die deutschen Sicherheitskräfte so überfordert gewesen seien oder warum Akten jahrzehntelang unter Verschluss gehalten worden seien. Eine israelisch-deutsche Historikerkommission solle nun mehr Licht in dieses dunkle Kapitel bringen. Die Angehörigen hätte ein Recht darauf, endlich die Wahrheit zu erfahren, betonte Steinmeier.
Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte bei dem Gedenkakt am Erinnerungsort im Münchner Olympiapark am Montag, er sei froh, dass Deutschland endlich Verantwortung übernommen und auch Schuld eingestanden habe. Deutschland habe beim Schutz der israelischen Sportler versagt.
Sein israelischer Amtskollege Hili Tropper sagte, die israelischen Geiseln seien kaltblütig ermordet worden. Die Olympischen Spiele seien aber weitergeführt worden, als wäre nichts passiert. Das weltweit größte Sportereignis sei damit unwiderruflich mit Blut befleckt worden. Es habe 50 Jahre gedauert, bis Gerechtigkeit sichtbar geworden sei, da es bis dahin keine Entschädigung und keine Entschuldigung für die Angehörigen gegeben habe.
Ilana Romano, Witwe des ermordeten israelischen Gewichthebers Yossef Romano, sprach von einem "langen und anstrengenden" Weg, den die Opfer-Familien hinter sich hätten. Das Versagen Deutschlands sei kolossal gewesen, "wir haben fünf Jahrzehnte Justizversagen durchgemacht". Sie hätten aber die schmerzhafte Wahrheit immer wieder ins Bewusstsein der Welt getragen.
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, dass das Olympia-Attentat unwiderruflich zur Geschichte Münchens dazugehöre. München trage eine besondere historische Last.
Den Gedenkfeiern vorausgegangen waren zähe Verhandlungen zwischen Bundesregierung und Hinterbliebenen. Vergangene Woche schließlich wurden Anerkennungsleistungen in Höhe von 28 Millionen Euro vereinbart. Davon sollen 22,5 Millionen der Bund zahlen, 5 Millionen Euro Bayern und 500.000 Euro die Landeshauptstadt München. Außerdem sollen die Ereignisse von damals historisch aufgearbeitet werden.
Opfer-Angehörige hatten damit gedroht, den Gedenkveranstaltungen in München und Fürstenfeldbruck fernzubleiben, sollte es keine Einigung geben. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen. Die Befreiungsaktion am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck scheiterte: Am Ende starben elf Israelis, ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen.
Am frühen Morgen des 5. September 1972 nahmen Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation "Schwarzer September" während der Olympischen Spiele 1972 in München elf israelische Athleten im Olympischen Dorf als Geiseln. Damit wollten sie unter anderem die Freilassung von über 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen erzwingen sowie die deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen. Außerdem forderten sie ein Flugzeug für ihre Flucht in ein arabisches Land.
Die deutschen Sicherheitsbehörden waren auf einen Terrorakt nicht vorbereitet. München sollte nach den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, die die Nationalsozialisten für ihre Propaganda nutzten, als Ort der "heiteren Spiele" in die Geschichte eingehen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren bewusst locker gehalten, Polizisten im Olympia-Park trugen hellblaue Trainingsanzüge statt Uniformen und waren unbewaffnet.
Erst am Nachmittag des 5. September wurden die Spiele unterbrochen. Via Fernsehen waren die Terroristen immer über das Vorgehen der Polizei informiert. Man hatte schlicht vergessen, ihnen den Strom abzustellen, und gab der Presse allzu bereitwillig Auskunft.
Am Abend brachte der Bundesgrenzschutz die Palästinenser und die Geiseln schließlich zum Militärflugplatz im nahen Fürstenfeldbruck, wo das geforderte Flugzeug bereitgestellt wurde. Dort wollte die Polizei zugreifen, doch der Einsatz endete in einer Katastrophe. Alle elf Geiseln sowie ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen kamen ums Leben.
Die Spiele blieben zunächst für einen halben Tag unterbrochen. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Avery Brundage, ließ sie mit den umstrittenen Worten "The games must go on" schließlich fortsetzen.