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Präsident der Generalsynode, Matthias Kannengiesser, eröffnete am 04. November 2022 die 3. Tagung der 13. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Magdeburg. Die Synode befasst sich unter anderem mit den Klimaveränderungen und der Verantwortung der Kirche.
Für die lutherische Kirche stehe dabei die theologische Reflexion der Klimakrise im Vordergrund, sagte der Präsident der Generalsynode, Dr. Matthias Kannengießer (Hannover). Es gehe um die Begleitung der Menschen in ihren Sorgen und Ängsten unter anderem im Gottesdienst, in der Seelsorge und der Bildungsarbeit.
Mit theologisch-geistlichen Grundsatzreferaten eröffneten Regionalbischof Dr. Stephan Schaede (Lüneburg) und Reverend Dr. Chad Rimmer vom Lutherischen Weltbund (LWB) die Beratungen. Schaede sprach zum Thema "Wie von Schöpfung reden?". Er wies unter anderem auf die Bedeutung der Glaubensüberzeugung hin, dass Gott die Welt geschaffen hat und erhält. Diese bekomme "gerade auch in der Situation eigener Zukunftsangst und Not" eine "eigene Energie". Schöpfungsgeschichten führten hinaus aus dieser lähmenden Angst, betonte der Theologe.
Chad Rimmer, einer der Programmkoordinatoren für Theologie beim LWB, skizzierte die weltweite öko-theologische Debatte. Zur Aufgabe der Öko-Theologie gehöre es, zu den grundlegenden Quellen der "trinitarischen Tradition" (Trinität = Lehre von Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist) zurückzukehren und diese "auf die Fragen unserer Zeit anzuwenden". Dabei solle Theologie nicht so wahrgenommen werden, "als verfolge man eine politische Ideologie oder Agenda". Vielmehr solle sie Hoffnung verkünden in einer Zeit der Angst.
In einem "World-Café" setzten sich die Mitglieder der Generalsynode und ihre Gäste anschließend mit Beispielen von Klima-Projekten aus den Bereichen Gottesdienst, Liturgie, Seelsorge, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und Ökumene auseinander. Dazu gehörten etwa die Gottesdienstreihe "Ökumenische Klima-Kanzel", die Klimabildung mit jungen Menschen in der Nordkirche oder ein Pilgerweg für Klimagerechtigkeit.
In einer "Trialogischen Bibelarbeit" rückten Regionalbischöfin Dr. Friederike Spengler (Erfurt), Pastor Dr. Constantin Gröhn (Hamburg) und Pfarrer Dr. Norbert Roth (München) die biblische Verheißung Gottes an Noah aus Genesis 8 "Solange die Erde steht …" in den aktuellen Kontext der Klimadebatte. Gröhn setzte sich für eine Haltung der "aktivierenden Hoffnung" ein. Danach geht es darum, vor den sich anbahnenden Veränderungen keine Angst zu haben: "Es findet ein großer Wandel statt, und wir sind mittendrin." Spengler benannte es als Aufgabe der Kirche, vor Gott für die Opfer der Klimaveränderungen zu sprechen. Kirche solle Angstphänomenen der Menschen begegnen und Hoffnung machen, appellierte Roth.
Die Beratungen zum Themenimpuls setzt die Generalsynode in einem eigens gebildeten Ausschuss fort. Dessen Ergebnisse kommen zum Abschluss der Synode, Montag, 7. November, wieder ins Plenum. Am Sonntag, 6. November, setzen sich die Synodalen zunächst mit den Berichten aus der Catholica-Arbeit der VELKD und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auseinander.
Die 3. Tagung der 13. Generalsynode findet vom 4. bis 7. November 2022 in Magdeburg in Verbindung mit der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) statt.
Konfessionelle Bünde in der EKD
Unter dem Dach der EKD gibt es zwei konfessionelle Bünde: In der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sind sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund acht Millionen Gläubigen verbunden. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) wird von zwölf Landeskirchen gebildet, zu denen mehr als zehn Millionen Christen gehören. Diese überwiegend unierten Kirchen gingen aus dem Zusammenschluss reformierter und lutherischer Kirchen im 19. Jahrhundert in Preußen und anderen deutschen Ländern hervor. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist Mitglied in beiden Bünden.
Seit einigen Jahren verzahnen die EKD und die beiden konfessionellen Zusammenschlüsse ihre Organe und Dienststellen miteinander, um Kräfte zu bündeln und Doppelstrukturen zu vermeiden. Das sogenannte Verbindungsmodell wurde 2007 wirksam. Seit 2009 tagen die Kirchenparlamente von Lutheranern und Unierten sowie die EKD-Synode jeweils örtlich und zeitlich verbunden sowie personell verzahnt. Auf der Synode 2016 stimmten die Delegierten auch für die Zusammenführung der drei Kirchenämter in Hannover.
Eine Vertiefung der gemeinsamen theologischen Arbeit soll überdies zu einer stärkeren evangelischen Profilierung führen, ohne die Bekenntnisunterschiede zwischen lutherischen, reformierten und unierten Christen in Deutschland zu verwischen. Die Vereinbarungen betreffen die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen den Kirchenbünden zum Beispiel in den Bereichen Theologie, Liturgie und Ökumene sowie Rechtsangleichungen wie bei den Pfarrdienstgesetzen.