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Kristina Kühnbaum-Schmidt vermisst einen "globalen Gemeinsinn" bei dem Thema Klimaschutz.
Der Menschheit fehle es nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel und Beschlüssen zu dessen Bekämpfung, sagte die Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Schöpfungsverantwortung am Dienstag bei der EKD-Synode in Magdeburg. Was aber fehle, sei der Wille zu verantwortlichem Handeln.
Seit Jahren gebe es ambitionierte Klimaziele, sagte Kühnbaum-Schmidt auch mit Blick auf die derzeit stattfindende UN-Klimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich. Der CO2-Ausstoß gehe aber nicht zurück, sondern steige sogar - "nicht, weil Ziele nicht ambitioniert genug sind, sondern weil die Umsetzung nicht gelingt", sagte die Bischöfin der Nordkirche. Sie vermisst nach eigenen Worten einen "globalen Gemeinsinn" bei dem Thema.
Der katholische Sozialethiker Markus Vogt plädierte auf der EKD-Synode für einen "aufgeklärten Katastrophismus" als Basis für eine große Transformation im Hinblick auf den Klimawandel. "Wir brauchen Demut, intelligente Selbstbeschränkung", sagte er und eine Haltung der Achtung. So müsse der Technik neue Richtung gegeben werden, das sei ein Überlebensprogramm der Zivilisation.
Die seit Sonntag in Magdeburg tagende EKD-Synode widmet sich am Dienstag der kirchlichen Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels. Thema ist dabei auch die eigene Klimaschutzrichtlinie.
Nach der im Oktober in Kraft getretenen Richtlinie will die EKD - analog zum deutschen Klimaziel - im Jahr 2045 Treibhausgasneutralität erreichen. Bis 2035 sollen bereits 90 Prozent der Emissionen reduziert werden. Bezugspunkt ist dafür der 1. Januar 2023. Um das Ziel zu erreichen, soll für kirchliche Gebäude und Anlagen künftig ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien genutzt werden.
Auf den Einbau von Heizungen, die Energie aus fossilen Quellen beziehen, soll verzichtet werden. Dienstreisen sollen vorzugsweise mit Zügen, E-Autos oder Fahrrädern absolviert werden, Kantinen sollen fleischreduzierte sowie aus regionalen und ökologischen Lebensmitteln zubereitete Mahlzeiten anbieten. Zudem soll eine Fachstelle für Klimaschutz eingerichtet werden.
Stichwort: Evangelische Kirche in Deutschland
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 19,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 128 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus.
Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen. Die einzelnen Landeskirchen sind selbstständig, die EKD koordiniert jedoch das einheitliche Handeln. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Beziehungen zu den Partnerkirchen im Ausland. Zudem ist die EKD zuständig für die Herausgabe der Lutherbibel und des Gesangbuchs. Sie veröffentlicht regelmäßig Denkschriften zu ethischen, sozialen, politischen und theologischen Themen.
Die Teilung Deutschlands hatte 1969 auch für die evangelische Kirche eine organisatorische Trennung zur Folge. Nach der politischen Wiedervereinigung schlossen sich 1991 die evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland wieder zusammen. Anfang 2007 wurde eine Strukturreform wirksam, die auf eine enge Verzahnung der Organe und Dienststellen von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen der Lutheraner und Unierten abzielt. Seit 2009 tagen daher EKD-Synode, die lutherische Generalsynode und die Vollkonferenz der unierten Kirchen zeitlich und personell verzahnt am gleichen Ort.
Stichwort: Konfessionelle Bünde in der EKD
Unter dem Dach der EKD gibt es zwei konfessionelle Bünde: In der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sind sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund acht Millionen Gläubigen verbunden. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) wird von zwölf Landeskirchen gebildet, zu denen mehr als zehn Millionen Christen gehören. Diese überwiegend unierten Kirchen gingen aus dem Zusammenschluss reformierter und lutherischer Kirchen im 19. Jahrhundert in Preußen und anderen deutschen Ländern hervor. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist Mitglied in beiden Bünden.
Seit einigen Jahren verzahnen die EKD und die beiden konfessionellen Zusammenschlüsse ihre Organe und Dienststellen miteinander, um Kräfte zu bündeln und Doppelstrukturen zu vermeiden. Das sogenannte Verbindungsmodell wurde 2007 wirksam. Seit 2009 tagen die Kirchenparlamente von Lutheranern und Unierten sowie die EKD-Synode jeweils örtlich und zeitlich verbunden sowie personell verzahnt. Auf der Synode 2016 stimmten die Delegierten auch für die Zusammenführung der drei Kirchenämter in Hannover.
Eine Vertiefung der gemeinsamen theologischen Arbeit soll überdies zu einer stärkeren evangelischen Profilierung führen, ohne die Bekenntnisunterschiede zwischen lutherischen, reformierten und unierten Christen in Deutschland zu verwischen. Die Vereinbarungen betreffen die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen den Kirchenbünden zum Beispiel in den Bereichen Theologie, Liturgie und Ökumene sowie Rechtsangleichungen wie bei den Pfarrdienstgesetzen.