Massive Demowelle gegen Rechtsextremismus

Menschenmassen auf Demo gegen rechts in Erfurt

© epd-bild/Paul-Philipp Braun

Auf dem Domplatz in Erfurt demonstrierten Tausende unter dem Motto "Nie wieder jetzt". Das Bündnis appelliert daran, die Agenda der AfD in Thüringen zu hinterfragen.

Aufstehen für Demokratie
Massive Demowelle gegen Rechtsextremismus
Massive Protestwelle gegen Rechtsextremismus: Am Samstag gab es wieder zahlreiche Demonstrationen gegen das Erstarken der AfD. In Frankfurt, Hannover, Erfurt, Düsseldorf und STuttgart waren Hunderttausende auf den Straßen. Auslöser war eine "Correctiv"-Recherche über geheime Pläne von AfD und Neonazis. Dem Protest schlossen sich auch evangelische Bischöfe an.

In Deutschland sind am Samstag erneut Zehntausende Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Rund 35.000 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben in Frankfurt am Main. Der große Zustrom machte es nötig, den Bereich der Kundgebung auszuweiten. In Hannover zählte die Polizei ebenfalls rund 35.000 Demonstranten. In Erfurt füllte sich der Domplatz mit schätzungsweise 6.000 Menschen.

Kundgebungen gab es auch in zahlreichen weiteren Städten, darunter Dortmund und Braunschweig. Für Sonntag sind unter anderem Demonstrationen in Berlin, Köln und München geplant. Auslöser der Protestwelle war eine "Correctiv"-Recherche über ein Treffen von AfD-Vertretern mit Neonazis und Unternehmern Ende November, bei dem über die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte gesprochen wurde.

Der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister betonte, es sei wichtig, die Demokratie zu verteidigen und sich für sie einzusetzen. Wer dagegen anderen Menschen Rechte abspreche, vom völkischen Mythos fasele und das Parlament zur "Pöbelstube" mache, sei ein "demokratischer Verräter".

Der braunschweigische evangelische Landesbischof Christoph Meyns erklärte, Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Hetze seien mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. "Deshalb protestieren wir, wenn Pläne geschmiedet werden, um Menschen zu deportieren wie in den finstersten Zeiten der deutschen Geschichte", sagte er in Braunschweig.

"Das, was ihr hier zeigt, ist gelebter Verfassungsschutz", rief der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Protestierenden in Hannover zu. Die AfD und die Rechtsextremen verschöben die Grenzen des Sag- und Denkbaren nach rechts. "Migrantinnen und Migranten, seien sie kurz hier oder auch in der vierten Generation, sie alle sind Teil unserer Gemeinschaft", unterstrich Weil.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) begrüßte in einem Zeitungsinterview die bundesweiten Demonstrationen. "Es stimmt mich sehr positiv, dass so viele Menschen in den vergangenen Tagen für die Demokratie auf die Straße gegangen sind", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Die Demokratie werde angegriffen und stehe vor großen Herausforderungen. "Wir müssen sie aktiv verteidigen", mahnte Faeser.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, lobte die Demonstrationen als wichtiges Signal gegen wachsenden Extremismus. Er habe bislang das Gefühl gehabt, dass die hohen Umfragewerte und Wahlerfolge der AfD "niemanden hinter dem Ofen" hervorlocken, sagte Schuster der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). Das habe ihm Sorgen gemacht. "Deshalb bin ich erfreut, wenn Leute jetzt auf die Straßen gehen und ihren Unmut zum Ausdruck bringen."

Unterstützung für die Proteste kommt auch aus dem Kulturbereich. Der Frontmann der Kölschrock-Band BAP, Wolfgang Niedecken, erklärte mit Blick auf die Demonstrationen: "Das wurde jetzt aber auch allerhöchste Zeit." Die Menschen dürften die aktuellen Entwicklungen nicht länger hinnehmen. "Das, was jetzt wichtig ist, ist, sich gegen rechts zu positionieren", sagte er dem Fernsehsender Phoenix in einem am Freitagabend verbreiteten Interview.

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