Berlin (epd). In der Bundesregierung wird weiter um eine mögliche Erhöhung des Kindergelds gerungen. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte am Montag in Berlin, aktuell werde geprüft, ob durch die aktuelle Lohnentwicklung eine Anpassung des Kinderfreibetrags nötig sei. "Sollte das nötig sein, muss miteinander gesprochen werden, ob neben dem Freibetrag auch eine Anpassung des Kindergeldes nötig und möglich ist", sagte er. Dabei verwies er auch auf den Haushalt für das aktuelle Jahr, der in der kommenden Woche im Bundestag beschlossen werden soll.
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) will für dieses Jahr den Kinderfreibetrag von 6.024 auf 6.612 Euro anheben, bislang aber nicht das Kindergeld. In der Ampel-Koalition regt sich dagegen Widerstand, weil vom Freibetrag, der auf die Einkommenssteuer angerechnet wird, nur Eltern mit höheren Einkommen profitieren. SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Pläne als "ungerecht". Das Kindergeld wurde zuletzt zum Januar 2023 von 219 auf 250 Euro angehoben. Der Freibetrag stieg damals von 5.620 auf 6.024 Euro.
Die Diakonie forderte, bei einer Erhöhung des Kinderfreibetrags müsse auch das Kindergeld steigen. "Alles andere wäre ungerecht", erklärte Vorständin Maria Loheide am Montag in Berlin. Die Diskussion mache die Notwendigkeit einer Kindergrundsicherung, in der alle Leistungen zusammengeführt sind, deutlich.
Auch der Kinderschutzbund kritisierte Lindners Pläne. Damit würden Kinder, die nur das Kindergeld beziehen, um bis zu 118 Euro weniger an staatlichem Zuschuss pro Monat erhalten würden. Bis zur Volljährigkeit der Kinder summiere sich das auf über 25.000 Euro Unterschied. Der Paritätische nannte die Pläne "schreiende Ungerechtigkeit".