TV-Tipp: "Die Tränen der Mütter"

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27. Januar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Die Tränen der Mütter"
Im neunten Film der "Erzgebirgskrimis"-Reihe ermittelt das Duo Winkler und Szabo in der Drogenszene und erhält Hilfe von einer Sagengestalt.

Die Tat ist von erheblicher Niedertracht. Ein junger Mann braust mit seinem Mountain-Bike gut gelaunt durch den Wald, als er in eine heimtückische Falle gerät: Jemand hat ein Seil quer über den Weg gespannt. Weil der Sturz nicht tödlich ist, hilft die Person mit einem schweren Ast nach. Kurz drauf entdecken Forstarbeiter den Leichnam, aufgebahrt auf einem Holzstapel, von Moos und Blumen umgeben und mit einem Strauß in der Hand. Nicht weit vom Fundort entfernt lebt seit einigen Monaten eine Aussteigerin, die die Einheimischen nach einer Sagengestalt, die Fürsorglichkeit mit Gold belohnt, das "Holzweibel" nennen.

Während Winkler und Szabo (Kai Scheve, Lara Mandoki), das Duo von der Kripo Chemnitz, noch rätseln, ob es sich bei der Aufbahrung womöglich um einen Totenkult handelt, erfährt Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) im Gespräch mit dem "Holzweibel" die Lösung des Rätsels: Tanja Rossner (Maria Simon), ehemalige Kunstlehrerin, hat sich seit dem Tod ihres Sohnes durch einen Skiunfall in die Natur zurückgezogen, dort wohnt sie nun fernab von der Unbill der Welt einem uralten Kleinbus. Sie hat die Leiche entdeckt und wollte sie würdevoll so drapieren, dass sie von den Holzfällern entdeckt wird. 

Es ist zwar nicht gerade glaubwürdig, dass die Frau in der Lage ist, einen leblosen Körper auf einen ein Meter hohen Stapel zu zerren, aber für die Handlung dieses neunten "Erzgebirgskrimis" ist das nicht weiter von Belang. Die Geschichte nimmt nun ohnehin ihren üblichen Verlauf: Timo Barthel, das Opfer, hat gemeinsam mit seinem Freund Jens Fichtner (Alessandro Schuster) in der Gegend einen Club gegründet. Das "Paradise" ist mangels alternativer Angebote für Jugendliche gut besucht, aber reich wurden die beiden jungen Männer damit nicht. Trotzdem konnte Timo in den letzten Monaten eindrucksvolle Summen auf sein Konto einzahlen. Als Winkler einen Tschechen verhaftet, der sich allerdings als verdeckter Ermittler entpuppt, stellt sich raus, dass in der Region seit einiger Zeit ein schwunghafter Handel mit Crystal Meth aus einem Amateurlabor getrieben wird. 

Das klingt als Krimistory weder besonders originell noch aufregend, aber das Drehbuch ist von Jürgen Pomorin alias Leo P. Ard, und dessen Geschichten sind zumeist besonders. In diesem Fall gilt das vor allem für Figuren, zumal die Rollen mit Ausnahme Simons zwar nicht prominent, aber interessant besetzt sind. Für weiteren Reiz sorgt die Zwischenmenschlichkeit. Szabo wird im Umgang mit dem Chef von Mal zu Mal selbstbewusster, was zu einigen sympathischen Frotzeleien führt. Außerdem setzt Pomorin die bislang eher subtil vor sich hin köchelnde Zuneigung zwischen dem Kommissar und der Försterin fort. Allerdings unterläuft Saskia gegen Ende ein nur schwer verzeihlicher Fauxpas, der beinahe tödliche Folgen hätte; der Beziehung ist das vermutlich nicht förderlich. 

Auch auf der Krimiebene fügen sich einige Dinge zusammen, was für die Betroffenen ebenfalls eher unliebsame Konsequenzen hat: Als sich rausstellt, dass Timo womöglich entscheidend am Tod des Sohnes von Tanja Rössner beteiligt war, gerät die Leipzigerin Kunstlehrerin prompt wieder in Verdacht. Zunächst gelten die Ermittlungen jedoch einem leicht reizbaren jungen Mann, dem Timo die Freundin ausgespannt hat. Das ist natürlich gerade im Vergleich zum "Holzweibel" eine Klischeerolle, aber die Aussteigerin wäre ohnehin auch dank Maria Simon die interessanteste Figur des Films. Sie verkörpert Tanja Rössner betont verhärmt und vom Schicksalsschlag gezeichnet. Wesentlichen Anteil an der Düsternis, die die Frau umgibt, haben die verstörenden Zeichnungen, in denen sie den Verlust zu verarbeiten versucht; die Bilder sind eigens für den Film angefertigt worden. Simon ist gebürtige Leipzigerin; die Reihe bleibt also ihrem Vorsatz treu, die wichtigsten ostdeutschen Rollen auch entsprechend zu besetzen. 

Großen Anteil an der Stimmung des Films hat neben der Bildgestaltung (Andreas Bergmann) vor allem die sehr präsente und streckenweise sinfonisch-wuchtige Musik (Martina Eisenreich). Für viel Atmosphäre sorgen auch die beeindruckenden Waldbilder, durch die der Nebel wabert. Ansonsten ist die Umsetzung des Drehbuchs durch Constanze Knoche unauffällig, aber solide. Darstellerisch ist "Die Tränen der Mütter" jedoch auch in den Nebenrollen uneingeschränkt sehenswert. Das galt bereits für frühere ZDF-Arbeiten der Regisseurin, darunter neben ihrem ersten Krimi aus dem Erzgebirge ("Der Tote im Burggraben", 2021) vor allem der im Frühjahr 2023 ausgestrahlte "Herzkino"-Zweiteiler "Dr. Nice". 

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