Reformierte Kirche startet "Demokratie stärken"

Susanne Bei der Wieden

© Ulf Preuss

Susanne Bei der Wieden ist Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer.

Social-Media-Kampagne
Reformierte Kirche startet "Demokratie stärken"
Anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar ruft die evangelisch-reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden zu einer klaren christlichen Positionierung auf. Mit einer Social-Media-Kampagne zeigt die reformierte Kirche Flagge gegen Rechts.

Aus Sorge um die Demokratie und den demokratischen Rechtsstaat startet die Evangelisch-reformierte Kirche am Samstag, 27. Januar, die Social-Media-Kampagne "Demokratie stärken". Darin positionieren sich Kirchenmitglieder in Videospots für die Demokratie und formulieren, warum sie sich engagieren.

Das erste Statement kommt vom ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe. Er ist seit vielen Jahren berufenes Mitglied des reformierten Kirchenparlaments. Die Videospots erscheinen bei Instagram, facebook und auf dem YouTube-Kanal.

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden bezieht deutliche Stellung. In einem Brief an alle Kirchengemeinden schreibt sie, dass eine völkische Ideologie, die Minderheiten diskriminiert und demokratische Institutionen verächtlich macht, nicht mit dem christlichen Selbstverständnis und einer reformierten Kirchlichkeit vereinbar sei. Bei der Wieden: "Nie wieder ist jetzt. Wir alle sind von der gesellschaftlichen Entwicklung gefordert, eine entschiedene Haltung zu zeigen, bevor es zu spät ist."

Startbild des ersten Videos der Kampagne "Demokratie stärken": SPD-Bundestagsabgeordneter Reinhold Robbe.

Inzwischen sei deutlich, so Bei der Wieden, wie tief die AfD "sich mit staatsfeindlichen Gruppierungen vernetzt und mit rechten Umsturztendenzen beschäftigt." Die Kirchenpräsidentin warnt auch vor einer Gefahr des Rechtsextremismus für die Kirchen. Kirchlich engagierte Menschen, die rechten Strömungen in ihrem Umfeld entgegentreten, würden eingeschüchtert - nicht selten durch Hetzkampagnen in den sozialen Netzwerken. 

Bei der Wieden sagt: "Gott sei Dank stehen inzwischen immer mehr Menschen auf und zeigen mit ihren Demonstrationen in zahlreichen Städten, dass sie gewillt sind, dem wachsenden Rechtsextremismus die Stirn zu bieten." Diese Aufgabe werde auch am Holocaust-Gedenktag durch viele Veranstaltungen in Kirchen und Kirchengemeinden wahrgenommen. "Die Reformierte Kirche steht an der Seite jüdischer Menschen und duldet keinen Antisemitismus in ihren Reihen." 

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