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Es ist das zweite Jahr, in dem Muslime in Deutschland den Fastenmonat Ramadan unter Pandemie-Bedingungen begehen. Bereits letztes Jahr streamte Imam Mohamed Amim Rachid im Gebetsraum der Salahu d-Din-Moschee in Essen seine Freitagspredigt am Ramadan. Das Foto wurde zum "NRW-Pressefoto des Jahres 2020" gekührt.
Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland haben den Muslimen zum Beginn des Fastenmonats Ramadan am 13. April Grüße übermittelt. "Das Fasten bietet gläubigen Menschen die Möglichkeit, den gewohnten Alltag zu unterbrechen, sich zu überprüfen und sich neu auf Gott auszurichten. Gleichzeitig ist die Zeit des Fastens auch eine Zeit der Gemeinschaft - im familiären wie im öffentlichen Bereich", schrieb der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, in seiner am Montag in Bonn veröffentlichten Grußbotschaft.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betonte in seiner in Hannover veröffentlichten Botschaft, zum zweiten Mal in Folge würden die gewohnten Abläufe und die altbewährten Traditionen dieses Monats durcheinandergeworfen. Er und Bätzing betonten die Gemeinsamkeiten der Religionen in Zeiten der Pandemie. Es sei ein der Not gehorchender Verzicht, der "unseren innersten menschlichen und religiösen Bedürfnissen nach Nähe, Austausch und Kontakt widerstrebe", schrieb Bedford-Strohm. "Weder die Festtage noch die Zeiten des Alltags sind so, wie wir sie kennen", betonte Bätzing. Diese Erfahrung verbinde Christen und Muslime in Deutschland.
"Doch uns verbindet auch die Hoffnung auf bessere Zeiten", schrieb der Limburger Bischof weiter und betonte, dass Hoffnung ein Markenzeichen des gläubigen Menschen zu sein scheine, der auch angesichts von Krankheit und Leid nicht verzagen müsse. "Gemeinsam können Christen und Muslime Zeugen der Hoffnung sein: indem wir Werkzeuge des Friedens und der Gerechtigkeit werden, indem wir im Nächsten unseren Bruder und unsere Schwester erkennen."
Bedford-Strohm hob hervor, sich für andere einzusetzen, auch für Menschen anderer religiöser Herkunft und Überzeugungen, sei eine religiöse Aufgabe. "Sie gilt in Zeiten der Pandemie womöglich mehr denn je", schrieb der bayerische Landesbischof.
Zentratrat der Muslime: Corona-Regeln haben sich bewährt
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) wünscht allen Muslimen einen gesegneten Ramadan. Der Fastenmonat mit seinen gemeinschaftlichen Elementen wie dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang (Iftar), Koranlesungen in den Moscheen, traditionellen Nachtgebeten (Tarawih) und den Freitagsgebeten stehe nun zum zweiten Mal unter dem Eindruck großer Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Montag.
Allerdings hätten sich seit Beginn der Corona-Pandemie die mit den Behörden abgestimmten Hygiene- und Abstandsreglungen für die Moscheen bewährt, erklärte Mazyek. "Wir verzichten neben dem gebotenen Fasten während des Tages nicht auf die Verrichtung der zusätzlichen Gebete, denn diese werden wir wie im Vorjahr auch in unseren Häusern und Wohnungen durchführen, im engsten Kreis der Familie", erklärte Mazyek. So würden neben den Moscheen auch Wohnungen zu Orten der Anbetung Gottes. Der ZMD-Vorsitzende dankt allen Muslimen und ihren Freunden für ihr Engagement in der Pandemie, für die Unterstützung in den Gemeinden und Alternativangeboten, etwa im Internet.
Der diesjährige Fastenmonat Ramadan beginnt an diesem Dienstag und endet am 12. Mai. Der erste Tag des Festes des Fastenbrechens, der auf Arabisch Eid al-Fitr, auf Türkisch Bayram genannt wird, fällt damit auf den 13. Mai. Der muslimische Kalender richtet sich nach dem Mond, damit fällt der Ramadan immer auf einen anderen Tag des georgianischen Kalenders. Der Zeitraum kann von Land zu Land unterschiedlich sein.
Für die Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr am 13. April und endet am 12. Mai. Das Fasten gehört wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam. Der Monat Ramadan, der neunte im islamischen Mondjahr, wandert durch das Kalenderjahr. Der Ramadan beginnt und endet, wenn die Mondsichel nach Neumond erstmals wieder sichtbar ist. Der Beginn kann von Land zu Land unterschiedlich sein.
In Deutschland einigen sich die Islamverbände seit 2008 auf gemeinsame Daten. In Saudi-Arabien und vielen anderen arabischen Ländern wird auf die Sichtung der Mondsichel gewartet. Im Ramadan sind die Gläubigen aufgerufen, von Sonnenaufgang bis -untergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Das Fastengebot gilt in gleicher Weise für Männer und Frauen. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg.
Der Ramadan ist auch der Monat der guten Taten und der Läuterung von Körper und Seele. Mitmenschlichkeit und Versöhnung stehen im Mittelpunkt, die Gläubigen entrichten die Armensteuer Zakat oder unterstützen Bedürftige. Höhepunkt ist im letzten Drittel des Fastenmonats die "Lailat al-Qadr", die "Nacht der Bestimmung", in der nach der Überlieferung dem Propheten Mohammed erstmals Verse des Korans offenbart wurden. Viele Muslime beten dann die ganze Nacht durch, da sie auf Vergebung ihrer Sünden hoffen.
An den Ramadan schließt sich das Fest des Fastenbrechens an, das äußerlich dem christlichen Weihnachtsfest ähnelt. Die meisten Religionen kennen Fastenzeiten. Christen fasten etwa von Aschermittwoch bis Ostern.